Wie ich zur Fotografie gekommen bin



Es klingt komisch wen ich sage, dass mir die Fotografie in die Wiege gelegt wurde, aber die Tatsache ist das mein Vater ein Fotograf ist und ich bereits als Kleinkind mit der Welt der Fotografie in Kontakt gekommen bin. Leider waren meine ersten Erfahrungen im Bereich der Fotografie alles andere als rosig. Mein Vater nutzte meinen Bruder und mich um uns ständig in Pose zu bringen damit er seine Fähigkeiten in der Portraitfotografie ausbauen konnte. Es gelang ihm und er wuchs als Fotograf so wie wir zu Jugendlichen heranwuchsen.

An mein erstes Fotoshooting mit eigener Kamera erinnere ich mich noch als ob es gestern gewesen ist, obwohl über 30 Jahre ins Land gezogen sind. Es war an einem Wochenende im Frühling 1984, mein Vater nahm mich mit zu einer Hochzeit im Schloss Dyck in Jüchen, ich war 8 Jahre alt und er gab mir eine Nikon FE2 in die Hand und sagte „Jung, mach ein paar schöne Fotos“. Ich fotografierte und es machte mir sogar Spaß, bis mein Vater am Abend die Bilder aus dem Labor holte und mich zu sich rief. Ich war gespannt auf die Bilder, er zeigte Sie mir und fing an zu schimpfen, er könne von den Bildern kein einziges verkaufen, das Hochzeitspärchen wäre ja auf keinem einzigen Bild zu sehen. Auf den Bildern waren nur Insekten, Pflanzen und Natur zu sehen, das was mir gefallen hat. Keiner hatte mir gesagt, dass ich nur das Hochzeitspärchen fotografieren sollte… „mach ein paar schöne Fotos“ hatte er doch gesagt, von dem Hochzeitspärchen hat keiner was gesagt, ich war enttäuscht. Dieser Tag legte bei mir die Weichen, ich werde niemals ein Fotograf wie es sich mein Vater wünschte.

 

Die Zeit verging und mein Vater beschloss den Meister der Fotografie zu machen, ich für meinen Teil beschäftigte mich mit Informatik und entfernte mich weiter vom Traum meines Vaters auch ein Fotograf zu werden. Als ich mir mit 17 Jahren meinen ersten Canon Camcorder kaufte und keinen Fotoapparat war mein Vater ziemlich enttäuscht, für ihn war Videografie nicht ansatzweise so kunstvoll wie Fotografie.

 

Für mich blieb die Fotografie lange Zeit nur der Beruf meines Vaters, ich fand erst ab 2001 einen Bezug zu diesem Thema, als ich für 2 Jahre nach Sizilien ausgewandert bin um das Land meiner Vorfahren zu entdecken. Vor der Abfahrt schenkte mir mein Vater die Minolta XG2, meine erste analoge Spiegelreflexkamera, zusammen mit meinem Canon Camcorder war ich nun gut gerüstet um meine 2 Jahre auf Sizilien zu dokumentieren. Das dies der Startschuss für einen neuen Lebensabschnitt war konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner erahnen. Rückblickend denke ich das mein Vater sein Abschiedsgeschenk mit Bedacht gewählt hat, es war der letzte Versuch mich doch zur Fotografie zu bewegen. Auf Sizilien verbrachte ich viel Zeit damit zu filmen und zu fotografieren, es machte mir Spaß.

 

Als ich 2003 wieder in Deutschland war brummte das Internetzeitalter, ich war enttäuscht über die spärlichen Informationen die es über Sizilien im Internet zu lesen und zu sehen gab, Mafia wurde großgeschrieben, aber wo waren denn all die schönen Aussichten, historischen Denkmäler oder die fantastische Natur die ich erleben und sehen durfte? Ich beschloss zusammen mit meinem Bruder eine Webseite zu programmieren um das Dilemma zu ändern.

 

Bereits nach einigen Wochen waren wir auf Google die Nummer 1 zu vielen Begriffen die mit Sizilien zu tun hatten. Wir zeigten auf unserer Webseite Fotos und Videos die ich auf Sizilien gemacht hatte, das war 2 Jahre bevor YouTube das Licht der Welt erblickte. Dank der Flash Programmiersprache haben wir die Filmchen als .wmv Datei in unsere Webseite integriert und auf unsere eigenen Server hochgeladen. Wir waren so ziemlich die ersten die mit so etwas angefangen haben, allerdings mussten wir zu dieser Zeit noch jeden Besucher und den Datenaufwand der durch diesen entstand bezahlen, es gab noch keine Flatrate Server so wie heute, aber das war es uns wert.

 

Das Ganze entwickelte sich immer weiter und in den Folgejahren wurde daraus ein Projekt über ganz Italien, das bis heute jährlich von mehreren Millionen Besuchern aufgesucht wird. Ein Fulltimejob war geboren, aber die Fotografie blieb immer im Schatten und spielte nie die Hauptrolle. Ich glaube, dass mein Vater auch ein wenig stolz auf uns war obwohl wir keine Fotografen geworden sind, er schenkte mir 2009 eine Canon 550D, meine erste digitale Spiegelreflexkamera und unterstützte somit meine weitere Selbstfindung im Bereich der Fotografie.

 

Die echte Fotografie packte mich allerdings erst ab 2015, endlich erschien eine Kamera die im Punkto Videografie sowie Fotografie exzellente Leistungen zu bieten hatte, die Sony A7s. Diese 35mm Kleinbild Systemkamera ohne Spiegel beeinflusste meine weitere Entwicklung im Bereich der Fotografie und Videografie wie keine andere zuvor. Auf einmal erschien mir alles was ich zuvor gemacht hatte als „geknipse“, der Drang nach immer besseren Bildern nahm seinen Lauf.

 

Rückblickend wurde die Fotografie und Videografie ein immer größerer Teil von mir ohne dass ich jemals meinen Fokus darauf gesetzt hatte, es gehörte einfach zu meinem Job. Immer bessere Bilder mussten her, immer bessere Qualität wurde zum Standard und so investierte ich immer mehr Zeit in diesem Bereich um heute hier zu stehen und zu sagen, dass ich mich nach wie vor wie einen Fotoamateur sehe der länger mit Fotografie zu tun hat als so mancher Profi.


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